Eigentlich längst überfällig, dass sich jemand einmal mit dem Genre „Shoegazing“ beschäftigt. Zum einen weil in letzter Zeit vermehrt Gruppen auf der Bildfläche erscheinen, die sich mehr oder weniger offensichtlich mit dieser Musik auseinandersetzen (z.B. Crystal Stilts, Glasvegas, The War On Drugs, Deerhunter, 120 Days), zum anderen weil die Ästhetik des Verwischens, des Auftürmens von Layer über Layer darüberhinaus seinen Niederschlag in der elektronischen Musik gefunden hat (z.B. bei Veröffentlichungen von border community, oder bei Acts wie Ulrich Schnauss). Nun widmet sich der englische DJ Rob Da Bank dieser irgendwie entgrenzten Musik, die sich in ihren Strukturen so schlecht fassen lässt, und er begeht dabei glücklicherweise nicht den Fehler das Ganze (Ableton und Co. machen es möglich) in einen Mix zu verwandeln. Vielmehr erinnert seine Herangehensweise an die Kultur der Lieblingscassette für Freunde, die natürlich trotzdem, oder eben deshalb einer wohl durchdachten Dramaturgie folgt. Den Einstieg machen The Jesus And Mary Chain, die auch den Noise und den Wall Of Sound in mein Jugendzimmer geschleust haben. Ihr „Just Like Honey“ datiert auf 1985 und liegt damit eigentlich weit vor der eigentlichen Genredefinition, die erst um 1990 ihren Einzug in die einschlägige UK-Presse gefunden hat, nachzulesen im die CD begleitenden Essay „A Brief History Of Shorgazing“. Von hier spannt Da Bank den Boden von Ultra Vivid Scene, Ride, Slowdive, Spiritualized und Lush über Boards of Canada, die obwohl scheinbar gänzlich ohne Gitarren, spielend und schlüssig in die Abfolge der Bands passen, bis zu Ulrich Schnauss (sic!), M83, oder auch den Cocteau Twins. Selbst Dinosaur Jr., die ja auch schon als Proto-Grunger vereinnahmt wurden, fügen sich hier mit ihren Hit „Freak Scene“ aus dem Album „Bug“ von `88, sowohl als Inspiration für die folgenden Shoegazer, als auch, ebenso wie TJAMC, als Verweis auf noch weiter zurückliegende Innovatoren (Velvet Underground, MC 5, The Stooges oder auch die Monks). Rundum grandiose Compilation!! Das die Glasgower Technoveteranen von Soma diese Reihe, deren Start Andrew Weatherall vorgelegt hat, ins Leben gerufen haben, kann man ihnen nicht hoch genug anrechnen und wenn dieses Niveau gehalten wird hat die Reihe das Zeug zum Klassiker!
Ein kleiner Wermutstropfen bleibt die CDs sind bei uns oft nur als Import zu bekommen. |